Verkehrsmittelreinigung
Innovative Graffiti-, Farbschmiererei-, Aufkleberentfernung und die Durchführung von Prophylaxemaßnahmen an und in Schienenfahrzeugen
Allgemeines

Fahrgäste setzen heutzutage voraus, dass alle Fahrzeuge außen und innen sauber und gut gewartet sind. Darüber hinaus verlangen dies auch die Aufgabenträger und bei Nichterfüllung werden Pönale fällig. Erschwerend kommt die Kreativität der „Produktentwicklung" in der Farbvandalen-Szene hinzu, die einen ständigen Wettkampf erzwingen zwischen Schmieren und Entfernen.

Der hohe Qualitätsanspruch an optisch einwandfreien Schienenfahrzeugen kann nur vom Verkehrsunternehmen erreicht und gehalten werden, die genaue Standards definiert haben und diese Maßstäbe für Dienstleistungen von eigenem und Fremdpersonal anlegen. Außerdem ist Sauberkeit von Schienenfahrzeugen ein gutes Aushängeschild und die Visitenkarte eines Eisenbahnverkehrsunternehmens.


Reinigungsvorgaben für Außen- und Innenreinigungen

Neben diesen Arbeitskriterien dürfen nur mit dem Verkehrsunternehmen abgestimmte, festgelegte und freigegebene Reinigungsmittel und -systeme eingesetzt werden. Eine „Ausgasung" der Produkte darf nicht entstehen wegen der schlechten Belüftungsmöglichkeiten und der schnellen Wiederverfügbarkeitsvorgabe. Aus diesem Grund dürfen nur Reinigungs- und Prophylaxemittel verwendet werden, die beim Öffnen der Gebinde oder beim Gebrauch keine Gase (Lösemittel) freisetzen. Die Gefahr einer Toxizität besteht häufig bei dem Einsatz von Kombiprodukten und deshalb sind entsprechende Voruntersuchungen durchzuführen. Zu beachten ist auch, dass beim „Mischen" und Ergänzen von mehreren Produkten keine ungewollten chemischen Reaktionen entstehen.

Besonders bewährt hat sich der Einsatz von „sanften" Mitteln, die eher physikalisch als chemisch wirken, indem sie die Farben schonend vom Untergrund abheben. Dies bietet einen Vorteil gegenüber den extrem lösemittelhaltigen Produkten, die in einigen Fällen nicht nur die illegalen Farben auflösen, sondern auch die Fahrzeugoberfläche angreifen können.


Fahrzeugaußenreinigung

Das Reinigungshandling wird durch die vielfältigen Fahrzeugbestandteile (wie: Lacke, Folierung, Fenster, Versorgungsklappen, Unterflurbereiche usw.) erschwert. Aus diesem Grund sollten nur Dienstleister beauftragt werden, die über das nötige und immer wieder aktualisierte Know how beim Personal und das richtige Handwerkszeug verfügen. Selbstverständlich muss die ständige Verfügbarkeit und hohe Flexibilität der Fahrzeugflotte garantiert werden. Zur Vermeidung von Zugausfällen und dadurch entstehende Imageverluste sind zeit- und kostenintensive Rangierfahrten zu minimieren. Der Dienstleister muss mobil, autark ausgestattet sein und umgehend an dem, vom Verkehrsablauf günstigsten Standort, die Reinigungsaktionen durchführen können. Vielfach reichen die fahrplanmäßigen Standzeiten für kleinere Farb- und Aufkleberentfernungen aus.

Bei umfangreicheren Maßnahmen müssen die Schienenfahrzeuge in Abstell- oder Werkstattanlagen für Reinigungsaktionen bereitgestellt werden. Dann können zusätzliche, je nach Verschmutzungsgrad, manuelle Intensivreinigungen laufen wie die Entfernung von Umweltschmutz, Ruß, Bremsstaub und Flugrost. So erscheinen die Fahrzeuge nachher wieder im alten Glanz. An diesen befestigten Örtlichkeiten wie auch auf geschotterten Arbeitsflächen gehören natürlich Umweltschutzmaßnahmen wie das Auffangen von Farb- und Reinigungsmittelrückständen zum Leistungsspektrum.

Fahrzeuginnenreinigung

Bei der Beseitigung von Graffitis / Farbschmierereien im Innenbereich kann meistens nicht großflächig mit Wasser neutralisiert werden. Aus diesem Grund sollten vornehmlich spezielle mit Entfernungsmittel getränkte Tücher zur Anwendung kommen. Die Neutralisation ist dann nur mit wasserbenetzten weichen Tüchern auszuführen. Bei hartnäckigen Farbanschlägen können die Entfernungstücher mit einem Spezialentfernungsmittel getränkt werden.

Aufkleberentfernung

Bei der Beseitigung von illegalen Aufklebern müssen gleiche Kriterien erfüllt werden. Hierbei ist insbesondere das Abkratzen mit harten Spachteln von Kleberrückständen zu unterlassen. Selbst durch leichtes Kratzen bzw. Schaben können dauerhafte Substanzschäden entstehen.

Prophylaxen für die Außenhaut

Durch den laufenden Betrieb (Fahrtwind, Regen, Schnee, Hagel, Sonne, Staub) wird die Außenhaut stark beansprucht und die Oberfläche matt bzw. leicht angeraut. Diese natürlichen Alterungserscheinungen können mit Lackaufbereitungsverfahren und Auftragen von Prophylaxemitteln abgedeckt werden. Mit diesen Schutzsystemen werden Folgereinigungen preiswerter und somit entsteht ein wesentlicher Nachhaltigkeitseffekt. Mehrfachreinigungen nach Farbvandalenangriffen und längeren Laufzeiten belegen diese Thesen. Leider gibt es wenige Permanentsysteme, die die hohen Qualitätsansprüche erfüllen. Temporäre Systeme auf Wachsbasis scheiden meistens aus, da sie bei Sonnenbestrahlung wieder weich werden und keine Widerstandskraft mehr besteht.

Zusammenfassung

Mittlerweile gibt es branchenspezifische Zertifizierungen, die bei der Auswahl von geeigneten Dienstleistungsbetrieben nützlich sind. Kriterien des Zertifikats sind neben den vor genannten Qualitätsmerkmalen auch die Arbeitsdokumentation, die Grundlage für eine faire, leistungsbezogene und nachvollziehbare Abrechnung ist.

Zur Erreichung dieser hohen Qualitätsziele ist die Zusammenarbeit, einschließlich ständigem Erfahrungsaustausch, zwischen Verkehrsunternehmen, Fahrzeugindustrie (wenn möglich), Dienstleister und Produkt- und Systemhersteller zwingend notwendig. Aus diesem Grund darf der Preis bei Vergaben nicht überbewertet werden. Eine "billige" Leistung ist nach der Beseitigung und Entstehung von Substanzschäden nicht mehr preiswert. Eine Aufbereitung und Neulackierung von Fahrzeugen kostet ein Vielfaches im Verhältnis zu lackschonenden Farb- und Aufkleberentfernungen. Qualität war immer etwas teurer aber langfristig günstiger.


Martin Steinigeweg
InteressenVerband Anti-Graffiti e. V.
Beratungsbüro für Bauwerkspflege

Bildrechte: IO GmbH
Erstveröffentlichung: https://www.rationell-reinigen.de/